
(Gelnhäuser Neue Zeitung, 24.05.2006) Das vor knapp einem Jahr gegründete Adipositasnetzwerk hatte zu einer Fachtagung in die Spessart-Klinik von Bad Orb eingeladen, um gemeinsam das Thema der körperlichen Aktivität und Sport bei adipösen Kindern und Jugendlichen eingehend zu erörtern. Gerd Claußnitzer, Vorsitzender des Adipositasnetzwerkes, hieß die Tagungsteilnehmer herzlich willkommen. Er erläuterte, dass es das Ziel sei, die vorhandenen Angebote transparent zu machen auf einer Plattform inter- wie auch intradisziplinärer Zusammenarbeit sowie allgemein über Adipositas zu informieren.
„Übergewicht und Adipositas manifestieren sich infolge eines Ungleichgewichts von Energiezufuhr und Energieverbrauch“, erläuterte Claußnitzer. Eine inaktive Lebensweise sei wesentliche Ursache für einen reduzierten Energieverbrauch. In Deutschland werden derzeit bereits etwa 18 Prozent der Kinder als übergewichtig und etwa acht Prozent als adipös eingestuft.
Wie könne der Sportmuffel erreicht werden, war eine der Fragen, die der erste Referent Stephan Schulz-Algie mit der Erläuterung von Sport- und Bewegungsangeboten in Sportvereinen darstellte. „Die Sportvereine können den übergewichtigen Kindern vor allem Freude an der Bewegung vermitteln“, sagte Schulz-Algie. Hierbei stünden wöchentliche Bewegungsstunden im Mittelpunkt, in denen in spielerischer Form die Themen Ernährung und Essen integriert würden.
Berthold Spengler erzählte diesbezüglich im Anschluss aus der Praxis der Sportgemeinschaft Enkheim in Bergen-Enkheim/Frankfurt. Mit Bedauern sei in zwei Versuchen nun festgestellt worden, dass immer noch eine geringe Nachfrage für derartige Bewegungskurse bestünde, aber dass der Verein weiterhin sein Angebot trotz geringer Beteiligung aufrechterhalten wolle.
Der Sportwissenschaftler Christian Thiel zeigte in seinem Vortrag am Beispiel des Forschungs-Projektes „Bewegung als Investition in Gesundheit“, wie mit Hilfe eines partizipatorischen Ansatzes der Zugang zu körperlicher Aktivität ermöglich wird.
Im Anschluss an die Vorträge konnten die Tagungsteilnehmer nun in Workshops Informationen und ihr Wissen vertiefen. So sprach Dr. Helmut Ernst über die Möglichkeit, wie ein Therapieanbieter seine Zielgruppe, insbesondere Risikogruppen, erreichen könne.
Die Adipositasberaterin Marion Tschirschwitz behandelte in ihrem Workshop die Frage der Wahrnehmung des eigenen Körpers und inwiefern dieser von adipöse Kindern realistisch eingeschätzt werde.
Der Schwerpunkt der Förderung der Ausdauerfähigkeit durch motivierende Spiel- und Übungsformen war das Thema im dritten Workshop, der vom Diplomsportwissenschaftler Christian Eilers angeboten wurde.
Ausdauerorientiertes Training berge die Gefahr der Monotonie, das in spielerischer und anregender Weise gestaltet, sich jedoch zu einem motivierenden Selbstläufer entwickeln könne.
letzte Aktualisierung: 24.07.2006